Work – Berlin

„Berlin, Berlin – kaum eine zweite Stadt verändert sich in diesem rasanten Tempo.

„Palast der Republik II“ (2008) und „Stadtschloss Berlin“ (2018)

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erlin, Deutschlands wohl facettenreichste Stadt ist ein Dauerthema in Thomas Rheins Arbeiten. Seit dem Jahr 2008 zeigt er den Wandel der Stadt in seinen Bildern. Die Fragmente des sich im Abbruch befindenden Palastes der Republik und die Wiederkehr des Berliner Stadtschlosses zehn Jahre später bilden die Intervallklammern seiner zahlreichen Aufnahmen innerhalb dieser Dekade.

“ Sowohl der Abbruch des Palastes der Republik, als auch der Neubau des Berliner Stadtschlosses polarisierten die Stadt.

„Spiegelung / Mirror“ (2013)

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rchitektur – neu und alt – soweit das Auge reicht: Die Aufnahme „Spiegelung / Mirror“ aus dem Jahr 2013 zeigt durch Spiegelung beides zugleich.

“ Weniger ist oft mehr – die Verdichtung geometrischer Strukturen und die Leuchtkraft der Farben reichen aus, um zum Nachdenken zu animieren. Das ist der Vorteil des Mediums Fotografie.

Breitscheidplatz Triptychon (2017)

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hoppingcenter mit glitzernden Luxusprodukten, Erinnerungsstätte an den Anschlag vom 19. Dezember 2016 und die blaue Strahlkraft der Gedächtniskirche mit Eintreten der Nacht ist es, was das Areal rund um den Breitscheidplatz ausmacht. Eine Szenerie die eigentlich durch Neubauten, Straßenkreuzungen und Menschenmassen geprägt ist, wurde mit der Aufnahmeserie „Breitscheidplatz“ ganz bewusst entgegen des üblichen Ersteindrucks bebildert.

„Stele I–III“ (2017)

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rneut Trubel, statt ausdrücklich gewünschter Ruhe. Meist braucht es viel Geduld und Konzentration, um das Holocaust-Mahnmal unweit des Brandenburger Tores auf sich wirken zu lassen. Kinder und Erwachsene spielen verstecken, laufen die Gänge entlang oder verbreiten durch Telefonieren eine hohe Schallkulisse. Dabei bietet dieser Ort durch seine Breite und Tiefe vielmehr die Möglichkeit eine beklemmende Wirkung zu erzielen und in Ruhe „abzutauchen“. Die zur Mitte hin immer höher und dichter werdenden Stelen sind genau darauf ausgelegt. Dies in Fotografien zu vermitteln ist schwer. Die Serie „Stele“ stellt den Versuch dar, die stetig wachsende Enge festzuhalten, die sich beim Durchschreiten der Gänge ergibt.

„BER I“ (2018)

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uhe anstelle von Flug- und Reiseverkehr. Eigentlich sollten hier Menschenmengen die Landschaft prägen. Anstatt dessen nimmt große Leere den Platz ein. Am Standort des in Bau befindlichen Flughafens BER zeigen sich geradlinig verlaufende Gebäudestrukturen, die derzeit nur von wenigen Personen gesehen werden.

“ Die Gegensätze der Stadt sind allgegenwärtig und zeigen sich in vielfältiger Weise.

„Aggressive Ad I–IV“ (2018)

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eer scheint ausnahmsweise auch dieser stark frequentierter Ort nahe der S-Bahn Gleise zu sein. Werbung geht hier schneller als sie kommt: Aggressive Werbung, abgerissen von nicht unbedingt minder aggressiven Menschen in einer Umgebung geprägt von Alltagshektik und aufkommenden Schlägereien. Etwas länger als die Plakate bleiben nur die Reste von Tesafilm und Papierstückchen, „leere“ Fahrradschlösser und aufgeklebte Kaugummis. Die Serie „Aggressive Ad“ zeigt dies mit vier aufeinander folgenden Aufnahmen, die sich zu einem wiederholenden Zyklus schließen.

“ Sich perspektivisch einseitig festzulegen, widerstrebt der pulsierenden Veränderung dieser Gebäude. Manchmal ist ein closeup besser geeignet, als alles gleichzeitig zeigen zu wollen. Die Reduktion auf schwarz-weiß hilft wiederum größere Bildausschnitte zu beruhigen.

„Doorways“ – Eingangstüren Berlins (seit 2013)

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oorways ist ein Projekt, das sich auf die ganze Stadt erstreckt. Nirgendwo sonst sind die Veränderungen so schnell zu sehen wie an den Haustüren und -fassaden in verschiedenen Stadtteilen. Der Ort bleibt, die Menschen kommen und gehen. Genauso wie die aufgeklebte Werbung und die Graffitis. Gerne werden diese Gebäude mittlerweile massentauglich als Hintergrund für einschlägige Krimi-Serien verwendet. Trotzdem drohen sie in Teilen zu verschwinden, durch Um- und Wohnungsbau.

“ Die mittlerweile wenigen Überreste der Berliner Mauer wirken auf den Bildern eher als ein vermittelndes Element, anstatt eines trennenden.

„Berlin, Berlin“ und „Grenzwachturm“ (beide 2018)

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ittendrin, zwischen Architekturaufnahmen und jener Eingangstüren, ergeben sich oft ungeahnte Ruhepole mit zum Teil historischen Bestandteilen. Es sind Fragmente der ehemaligen Berliner Mauer und Grenzanlagen, die an die bewegten Zeiten der Stadt und ihre Trennung erinnern.

In der Aufnahme „Berlin, Berlin“ wirkt es fast ein wenig so, als ob die innerdeutsche Grenze noch in Teilen existieren würde: Abgestellte Fortbewegungsmittel einerseits und eine große am Boden liegende Leiter andererseits befinden sich vor einer Wandcollage, die aus vielen Gesichtern, Botschaften und Werbeplakaten besteht. Der triste Asphalt und das verwelkte Gras, umgeben von einer grünen Baumlandschaft, verstärken den Eindruck einer Stadt voller Gegensätze.

Die Spuren des heißen Sommers hinterlassen einen kargen Landstrich, der den einstigen Todesstreifen der Mauer markiert. Eine ansonsten grüne Umgebung, die jetzt von vielen Besuchern als Ort der Erholung und Begegnung genutzt wird. Der „Grenzwachturm“, der letzteres früher stets verhinderte, erhält von seinen neuen Gästen nunmehr keine große Aufmerksamkeit mehr.

„Breakthrough“ (2012)

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inter dem Fragment der Berliner Mauer zieht moderne Architektur alle Blicke auf sich, überragt die klein wirkenden Mauerreste und stellt sie wortwörtlich in den Schatten: „Breakthrough“.

“ Auch Figuren, die mit dem Beton verschmelzen, oder abstrakte Aufnahmen des gefrorenen Bodens der sich ständig verändernden Stadt, sorgen für Belebung.

„Untitled I“ (2016)

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chnell werden sie im Vorbeilaufen übersehen, sind jedoch fester Bestandteil der Stadtlandschaft. Graffitis und Spiegelungen standen am Anfang der abstrakten Arbeiten und stellen eine Verbindung zwischen Glasbauten und abgewrackten Fassaden her. Ein sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelnder Bestandteil der eigenen Arbeit.

Siehe auch: WORK – PAINTOGRAPHY

„Metamorphose II“ (2018)

“ Das nach so vielen Jahren immer noch kein Ende von neuen spannenden Aufnahmen in Sicht ist, überrascht mich selbst ein wenig.

Gegenüberstellung „Cola-Cola“ (2018) und „New York City Scene“ (2014)

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erbung thront über einem in die Jahre gekommenen Bau, der bis auf das hervorstechende Rot grau in grau wirkt. Das Gleiche gilt für die Autos, sofern sie keine Werbeaufschrift tragen. Rentner gießen die Blumen auf dem Balkon, auch sie sind in die Jahre gekommen. Das Bild „Coca-Cola“ ist nach dem benannt, was schon von weitem betrachtet am meisten auffällt: Der roten Werbung, die sich dem Gebäude anpasst. Alles andere scheint nicht nur farblich betrachtet in den Hintergrund gedrängt zu werden. Parallel dazu ein lange Zeit vorher entstandenes Werk: „New York City Scene“. Die Werbung ist hier noch dominanter, ein noch größerer Eye-Catcher als der Schriftzug des Getränkeherstellers. Fast alle Touristen auf dem Bus blicken nach vorn, nur einer zur Seite. Dorthin wo sich der Müll beginnt zu stapeln: Vor den Lüftungsgittern der U-Bahn, die täglich weitere Menschenmassen durch die Stadt transportiert. Auf diesem Bild ähneln diese Gitter eher den Fallklappen einer Mülldeponie. Gesichert wird der geradlinige Weg der Touristen durch Sicherheitspersonal im Hintergrund. Beide Bilder halten noch deutlich mehr zum Entdecken bereit und sind zugleich ein Querverweis zum nachfolgenden Abschnitt: WORK – NEW YORK CITY

Bitte richten Sie Ihre Anfragen bezüglich Ausstellungen, Kauf- und Mietpreise an: art@thomas-rhein.com